#44 Unsichtbare Schläge.

Wo sind jetzt die Schläger, die mir die Narben zugefügt haben. Ob sie sich an diese Narben erinnern?

Ich war ein Boxsack, für Diejenigen, die sich selbst nicht ertragen konnten. Für die Diejenigen, denen es nur besser ging, wenn es mir schlecht ging. Die sich an jeden Tropfen Blut, an jeder Narbe, die ich gezwungen bin bis ans Ende meines Lebens zu tragen, ergötzten. Auch die Narben, die man nicht sieht.

Ich war ein Steher, mit ständig blutender Nase. Jemand ohne Bedeutung. Wankend und taumelnd von Schlägen, Tritten und anderen Erniedrigungen. Und nichts hielt mich am Boden. Denn ich hievte mich immer aufrecht, egal wie lediert. Bis heute. Meine Wut und meine Kraft, mein unbändiger Wille war Quell meiner Motivation aufzustehen.

Und jetzt ? In meinem Kopf fehlt mir gerade dieser Wettlauf. Mir fehlt ein wenig das Elend, das mich angestachelt hat. Die Wut, die mir Kraft verlieh. Ich fühle mich plötzlich wieder leblos und taub.

Das ,gute Leben‘ empfinde ich gerade als Illusion, Grabstätte meines Willens.

Denn ich fühle gerade jetzt diese Taubheit. Ich fühle das Chaos in meinem Kopf, das Überhand nimmt. Ich fühle mich seltsam rastlos und beginne einen Wettlauf mit der Seele, zwar auch mit blutiger Nase und blutigen Zehen. Aber ich fühle nur diese Taubheit, die mich umringt.

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