# 51 Der Kampf trägt mich.

Ja, der Kampf trägt mich. Er hält mich am Leben. Denn ich kann kämpfen und ich kann rennen.

Kämpfen auch wenn der Körper rebelliert. Dir Signale sendet. Dir Vorboten schickt, um dir zu sagen dass du am Limit bist. Ein Pulverfass, dass entweder explodiert oder implodiert.

Und deine Worte sind kleine silbern schimmernde Pflaster, die sich auf jeder Wunde auflösen. Leider gibt es zu viele Wunden, die bluten.

Und du stellst mir Fragen, auf denen ich die Antwort nicht kenne. Worte, die mir fehlen. Semantik, die mir nicht klar ist. Und ich habe die Fähigkeit verloren zwischen den Zeilen zu lesen und zu fühlen. Und ich weiß, dieser Zustand der Antwortlosigkeit zieht einen Krater zwischen uns.

Wenn sich das verstehen ließe, wären das wichtige Erkenntnisse, aber ich verstehe nichts. Ich verstehe mehr als die Meisten aber weniger mich selbst. Und ich schleppe die großen Rätsel meiner vernarbten Seele mit mir und deute sie als Schicksal. Doch die fehlenden Erklärungen, warum man diese Narben erträgt. Ertragen musste. Warum man unaufhörlich weiter läuft. Ich kenne die Antwort nicht. Alles was ich erwidern kann, ist das der Kampf mich trägt. Und es sich so anfühlt, als habe ich Nichts sonst.

Ich nehme an, dass diese Narben eine Prüfung sind und sie aus Prinzip erfolgten. Denn ich verstehe die Wirkung und Ursache zwischen Menschen nicht. Ich kann all das gerade nur als Kraft gegen mich verstehen, weil alles gegen mich sein soll und muss. Da irgendetwas Höheres weiß, ich kann es ertragen. Und diese ungeklärten Fragen, nicht zuletzt die – ob ich gut genug bin – rauschen mit Überschall durch meinen Kopf. Und hilflos pocht mein Herz, während mir der Mut fehlt dem Unvermeidbaren gegenüberzutreten obwohl der Ausgang längst feststeht. Denn ich bin nicht der Mensch, der all das erträgt. Ich bin nicht das Besondere – sondern einfach gewöhnlich. Ich habe mehr von mir erwartet.

Vielleicht bin ich kein Löwe. Mehr.

Und jedes Wort erscheint mir wie eine Nadel und meine Seele ein Ballon. Das Leben und die Erkenntnis gescheitert zu sein eine Explosion.

Überall kleine Stücke nur noch von mir. Ungebremst detoniert. In meinem Ohr stille Schreie, Worte des Zweifels. Und ich schreie aus Verzweiflung, in der Hoffnung Befreiung zu spüren. Der Schrei intim und traurig, mechanisch dann echt. Ich schreie wegen meiner unsichtbaren Tränen. Wegen meiner Masken, die ich trage. Tragen muss. Wegen meines fehlenden Vertrauens. Und meinem unsichtbaren Käfig. Ich schreie, weil ich keinen Ausweg mehr spüre aus der Einbahnstraße meines Lebens. Ich schreie wegen meiner Angst und meiner unglaublichen Wut, die in mir Heimat hat. Wut, über all die Ungerechtigkeiten. Wut, über all die zu ertragenden Narben. Wut, über alle Schatten, die mir Grautöne nehmen. Wut, über all die Worte, die unvergesslich sind. Wut, über die Trümmern meiner Seele. Wut, als Kind schon in Trümmern groß geworden zu sein. Wut, nie gesehen worden zu sein. Wut, über das Gefühl nicht gut genug zu sein, dass mir bereits als kleines Wesen eingepflanzt wurde.

So viel Druck in mir, der nach außen dringen will.

2 Gedanken zu “# 51 Der Kampf trägt mich.

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